3D-Druck Podcast

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Der 3D-Druck Podcast von Johannes Lutz

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2025-10-20: 2025-10-20

00:00:00: Speaker 1Willkommen zum 3D Druck Podcast, dem Technologie Podcast, wenn es um alle Aspekte in Sachen 3D Druck geht, egal ob Sie neu mit dem Thema 3D Druck und additive Fertigung beginnen, erfahrener Anwender sind oder sogar 3D Druck Dienstleister, Hersteller oder Zubehörlieferant, weil es geht immer darum, ob Sie Ihren 3D Drucker im Griff haben oder ob der 3D Drucker Sie im Griff hat. Ich bin Johannes Lutz und ich freue mich auf diese Podcastfolge, weil diese, Podcastfolge eine Interviewfolge ist und den Titel trägt ‘Schnell rüsten, Smet mit Hilfe von 3D-Druck’.

00:00:33: Speaker 1Und jeder, der im Unternehmen besonders in der Fertigung oder in der Montage zugange ist, der hat sicher schon mal vom Thema Lean Management, P.D.C.A. Zyklus oder Kaizen gehört und indem man sozusagen die Arbeitsprozesse von Verschwendung befreit oder entzieht und die Produktivität in dem Fall steigert. Und was diese Abkürzungen und besonders die Abkürzung aus dem Titel jetzt genau bedeutet, darüber freue ich mich jetzt besonders mit meinem Interviewgast darüber zu sprechen. Und zwar, das ist der Götz Müller.

00:01:04: Speaker 1Herr Müller, ich freue mich richtig, dass Sie im Podcast da sind. Stellen Sie sich doch in ein, 2 Sätzen mal ganz kurz vor.

00:01:10: Speaker 2Ja, gerne, vielen Dank für die Einladung. Ich sag immer so ein bisschen flapsig mit dem Thema Lean Management beschäftige ich mich seit dem letzten Jahrtausend, weil ich da halt irgendwann mal, meine erste Ausbildung gemacht habe. Ich bin schon seit, ach seit wann, schon mal einfacher die Jahreszahl sich zu merken, seit 2009 beratend in dem Kontext unterwegs. Und wie Sie es schon in der Einleitung gesagt haben, da spielt eben das Weglassen von nicht wertschöpfenden Tätigkeiten eine wichtige Rolle, weil die Durchlaufzeit, das ist das, was man im Grunde ganz oben anstrebt, so in Zeiten von Amazon und Co.

00:01:47: Speaker 2Next Day Delivery, möcht man halt möglichst schnell auch für das, was man produziert, lieferfähig sein. Und unter anderem spielt da eben das Thema SmED, Single Minute Exchange of Die, also das Schnellrüsten, ’ne wichtige Rolle. Das erläuter ich dann gern noch, warum das so wichtig ist.

00:02:05: Speaker 1Ja, ja, jetzt, wie gerade eben auch angesprochen, es gibt viele Methoden im Lean Management, viele Abkürzungen, die gibt es natürlich bei uns im 3D-Druck auch. Jetzt haben Sie gesagt, was Smade schon ’n Stück weit bedeutet, aber warum ist es für so produzierende Unternehmen so relevant, diese diese Methode.

00:02:25: Speaker 2Ja, ein wichtiges Thema ist halt die Durchlaufzeit, weil das ganz oft und wie ich es gerade schon angedeutet hab in Zeiten von Amazon Prime Next Day Delivery, steigen da einfach die Ansprüche. So, jetzt ist das Rüsten selber, also eine Maschine einstellen, was auch immer die macht, ist halt nicht wertschöpfend, was das Produkt angeht, das da hinterher rauskommt. Ich muss es machen, weil halt das Vorprodukt und das was dort an Werkzeug und anderen Dingen verwendet wurde, halt nicht zum nächsten Produkt passt.

00:02:59: Speaker 2Und jetzt passiert halt eine Sache ganz leicht, dass ich sage, bevor ich jetzt hier eine Stunde lang rüste für ein Teil, mache ich doch gleich 10 oder gleich 100. Heißt aber halt im Nachteil, dass ich halt dann die 100 Teile auch abwarten muss, bis ich das nächste Teil machen kann. Wenn jetzt jemand an die Tür klopft und sagt, ich brauche ganz dringend dieses 101 Teil, was aber halt anders ist als die 100. Das heißt, da bewege ich mich in einem Spannungsfeld zwischen möglichst wenig rüsten, weil es nicht wertschöpfend ist,

00:03:36: Speaker 2weil es unter Umständen eben auch Zeit kostet, aber andererseits halt dieses Badging, was ein Fluch ist, weil es natürlich an sich wieder die Durchlaufzeit erhöht. Und was mache ich jetzt? Ich versuche die Rüstzeit zu optimieren, zu minimieren in Richtung Single Minute Exchange of Die, wo das entstanden ist vor vielen Jahrzehnten im Grunde schon, da ging es halt um das, Umrüsten von großen Pressen, Kotflügel und was man sonst alles für ein Auto aus Blech macht, da ist man schnell halt im Stundenbereich gewesen und die haben das wirklich und da kommt der Begriff auch unter 10 Minuten gekriegt.

00:04:18: Speaker 2Und dann macht es halt plötzlich Sinn vom Automodell A zum Automodell B halt nicht 100 oder 1000 vielleicht einen ganzen Tag lang zu machen, sondern stundenweise vielleicht umrüsten zu können.

00:04:32: Speaker 1Wo sehen Sie denn, also das sind richtig gute Beispiele, die Sie gerade bringen, aber wo sehen Sie denn heute so die größten Zeitfresser beim Rüsten? Jetzt haben Sie vorhin das Thema Automobil angesprochen, wo sind denn so die größten Zeitfresser, die oft von Unternehmen jetzt in der heutigen Zeit übersehen werden.

00:04:48: Speaker 2Das Thema schnellrüsten beziehungsweise das zu optimieren durchläuft selber wieder ’nen ziemlich strukturierten Prozess, je nachdem, welche Ausprägung der Methode man sich anguckt. redet man mal über 7, über 8 im Minimum kann man es in 4 Schritten darstellen. Und ein wichtiges Element, das ist dann schon der zweite Schritt. Der erste Schritt Klammer auf ist einfach nur die Ist-Aufnahme. Der zweite Schritt, ein ganz großer Sprung nach vorne, ist einfach dadurch, dass ich mir überlege, das was ich jetzt da rüste, könnte vielleicht die Maschine hier noch laufen,

00:05:29: Speaker 2Also zum Beispiel Werkzeug zusammensuchen, das ich fürs Umrüsten brauche. Ich könnte jetzt als Erstes hergehen und sagen: “Ich mache jetzt erst mal die 100 Stück fertig und dann lege ich den großen Hauptschalter um und schalte ab.” Und dann fange ich an, mein Werkzeug zusammenzurufen. Und habe mir natürlich schon mal die Zeit verschenkt, weil das hätte ich vorher schon machen können. Aber das hat jetzt wahrscheinlich mit 3D-Druck gar nichts zu tun. Der zweite Schritt ist, dass ich das erst mal komplett aussortiert habe,

00:05:59: Speaker 2Und dann geht es darum, halt durch technische Optimierungen die Zeit, wo die Maschine wirklich stehen muss, zu verbessern. Und da kommen wir zum Beispiel in den Bereich rein, Stichwort wieder Werkzeug, da kann ich jetzt an vielen Stellen halt mit einem klassischen Universalwerkzeug und jetzt nehmen wir einfach mal eine, auch wenn es nicht ganz passend ist, aber wahrscheinlich kennt es jeder, in irgendeiner Form eine Wasserpumpenzange, habe ich halt zumindest diese, je nachdem, vier, fünf Einstellungen, wie weit das Ding vorne aufgeht.

00:06:39: Speaker 2Jetzt ist es aber wahrscheinlich so, dass ich für das, was ich da anziehen muss, jetzt in einem Waschbecken oder in einem Bad ist das möglicherweise jedes Mal was anderes. Und wenn der Sanitärinstallateur fünf Stück mit sich rumschleppen müsste, würde er sich wahrscheinlich auch bedanken. Aber in diesem, in diesem industriellen Rüstvorgang macht es halt einfach Sinn, jetzt nicht ein Universalwerkzeug zu nutzen, das ich für alles Mögliche, wo man im Extremfall sich auch einen Zahn mitziehen könnte, nutze, sondern ich nutze halt was Zugeschnittenes, das genau auf diese Schraube passt, einen Schraubenschlüssel zum Beispiel.

00:07:18: Speaker 2Aber dann habe ich vielleicht da wieder andere Nachteile. Oder dass es halt bestimmte Halterungen sind, bestimmte Einstellungen, auch wieder vergleichbares Thema, ich kann das mit der Schieblehre machen, aber ich habe mit der Schieblehre, wenn es jetzt darum geht, passt es schon oder passt es noch nicht, das ist eine ziemlich digitale Geschichte. Jetzt kann ich mir aber eine Lehre machen, die halt genau dieses Sollmaß hat und dann sehe ich digital oder nicht digital, passt rein, passt nicht rein,

00:07:53: Speaker 2so klassisch flapsig ausgedrückt, sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Und da sehe ich durchaus eine Möglichkeit, statt das aus dem Vollen zu fräsen, in Anführungszeichen, das halt mit 3D-Druck zu machen, mit all den Dingen, die der 3D-Druck halt kann im Vergleich zu einer spanabhebenden Verarbeitung.

00:08:16: Speaker 1Das ist super spannend, was Sie gerade sagen. Allein schon der erste Schritt, dass man sagt, während die Maschine läuft, bereite ich sozusagen den Rüstvorgang vor, weil viele ja, wie sie auch gesagt haben, man wartet bis die Maschine fertig ist und und dann macht man so den nächsten Schritt. Da sehe ich auch schon viele Anwendungen, wie man sein sein Werkzeug richtig positionieren kann, um da auch schneller agieren zu können. Aber ganz klar, warum sollte man eine Messschieber nehmen oder eine Schieblehre, wenn man dafür bestimmte Schablonen hat, um das im Endeffekt auch zu prüfen, da dabei.

00:08:50: Speaker 1Ja, Jetzt hatten Sie vorhin gesagt, so der erste Schritt sei so die Bestandsaufnahme und der nächste Schritt, ja oder der letzte Schritt, so die technische Lösung. Gibt es da noch so weitere Zwischenschritte, die wir noch ganz kurz ansprechen sollten, oder geht es da so, wenn man sich den in den Prozess so hinein bewegt, so alleine von sich.

00:09:10: Speaker 2Wirklich viele entscheidende Zwischenschritte gibt es nicht im Sinne von: Es gibt andere Dinge, die ich würde es ja als fast wichtiger einordnen. Und ich glaube auch, dass das, wenn man den Horizont wieder ein bisschen weitet, dass da durchaus der 3D-Druck indirekt mit eine Rolle spielen kann. Ganz klassisch, wenn ich zum Beispiel Schichtbetrieb habe. Und das hat jetzt mit 3D erstmal vermeintlich, noch gar nichts zu tun.

00:09:42: Speaker 2Dann sollte ich natürlich alle drei Schichten einbeziehen. Weil sonst haben wir so diesen Effekt “not invented” hier, hier nicht erfunden. Wenn also die Tagschicht irgendwas erfindet, wovon die Nachtschicht dann im Extremfall noch nie was gehört hat und dann allein dadurch, gewisse Widerstände entstehen, weil ich nicht beteiligt wurde. Und andererseits, wenn ich die nicht beteilige, also nicht nur dieser Widerstand im negativen Sinn, sondern halt auch vielleicht die guten Ideen, die jemand aus der aus der Nachtschicht hat, die in der Tagschicht das gar nicht mitkriegen.

00:10:19: Speaker 2Und ich glaube eben da und aus einer anderen Unterhaltung, nehme ich das für mich mit oder habe ich das für mich mitgenommen, da wirken Dinge, über die reine Technik eben hinaus, die auch beim 3D-Druck ’ne Rolle spielen, dass ich halt, dass einfach zweimal anderthalb Kilo oder 4 Augen mehr sehen wie 2 Augen. Mit 100 Kilo meinte ich, die graue Masse zwischen den Ohren.

00:10:47: Speaker 1Jetzt, viele unserer Zuhörer, die die drucken ja bereits so so Prototypen, ne, und und möchten so durchaus auch den nächsten Schritt gehen. Jetzt, wie würden Sie, ermutigen, 3 D Druck im Lean Management bezüglich auch in diesem SmED initial auch auch einzusetzen. Jetzt haben wir ’n paar Punkte auch angesprochen, aber wenn wir das so aus der Lean Sicht noch mal betrachten, wie würden Sie da, wie würden Sie da vorgehen oder wie würden Sie ermutigen.

00:11:15: Speaker 2Ah, insofern glaub ich, ergeben sich neue Chancen, wenn ich jetzt selber ’nen Werkzeugbau habe, der mir eben solche Betriebsmittel bauen kann, völlig unabhängig davon, wie sie das dann technisch machen, dann habe ich natürlich einen gewissen Vorsprung. So, jetzt gibt es halt vielleicht Unternehmen, die aus welchen Gründen auch immer, aus naheliegenden Gründen halt vielleicht gar keinen Werkzeugbau haben. Und dann schlichtweg nicht in der Lage sind, sich halt irgendwelche Teile zu bauen, im klassischen Sinne,

00:11:55: Speaker 2die vielleicht auch keine Konstruktion haben, weil sie ihre ihre Teile, weil sie vielleicht Lohnfertiger sind und die Konstruktionszeichnungen inklusive im Extremfall vielleicht inklusive den CAE-Daten, also den Maschinendaten, das bekommen sie vielleicht von ihrem Kunden und sie sind nur noch nur noch in Anführungszeichen halt der Lohnfertiger, aber da spielt das Rüsten eben trotzdem eine Rolle. Und da glaube ich,

00:12:25: Speaker 2gibt es 3D-Ökosystem, nenne ich es jetzt mal, was ich vielleicht in einem klassischen Unternehmen halt nicht habe und deshalb sage: Betriebsmittelbau, ich muss halt mit diesen Universalwerkzeugen arbeiten, ich habe nichts anderes. Und ich habe es ein bisschen verstanden auch, aber korrigieren Sie mich da gerne, dass das mit an, Dienstleistungssektor ist, weil man vielleicht sich so wie man sich ein teures Dreh-/Fräszentrum schon gar nicht hinstellen würde, nur um damit ein bisschen Betriebsmittel zu machen.

00:13:07: Speaker 2Oder andersrum, wenn ich sowas habe, dann möchte ich halt Lohn fertigen, dann möchte ich dafür produzieren, dann möchte ich nicht dafür die eigenen Werkzeuge bauen, weil ich halt nur das eine oder das andere machen kann. Da kommt dann eventuell dazu, und da schließt sich auch wieder der Kreis. Natürlich muss ich, wenn ich jetzt irgend so eine Halterung fräsen würde, also bin ich einmal in der Lage, meine Serienteile zu bauen, und die Rüstzeiten natürlich dort doppelt groß, weil ich baue ja nur ein Einzelstück.

00:13:43: Speaker 2Ja, absolut. Ich könnte es vielleicht sogar machen, und vielleicht habe ich sogar eine Konstruktion. Aber ich will natürlich meine Maschinen für die Serie nutzen und nicht für meinen eigenen Betriebsmittelbau. Da ist es dann vielleicht wieder extra eine zu haben, wieder zu teuer. Weil das sind Dinge, die man im klassischen Serienanlauf, im klassischen Prototypen vor der Serie auch immer hat. Und auch da eventuell dann halt vielleicht 3D-Druck, mal ganz unabhängig vom Thema SmED noch eine weitere Chance ist.

00:14:17: Speaker 2Ja, um absolut da was zu machen. Ja, und ich könnt mir vorstellen, wenn man für das eine so bisschen auf sprichwörtlich auf den Geschmack gekommen ist, dass sich dann das vielleicht auch in andere Richtung ausdehnt.

00:14:30: Speaker 1Ja, das ist nämlich die Frage, auf die ich so als nächstes eingehen gehen wollte, wenn man jetzt diesen, diesen, diesen Med Gedanken auf der einen Seite hat, aber auf der anderen Seite auch, gibt es denn so Beispiele oder Projekte, wo, wo so ein ganz einfaches Hilfsmittel. Jetzt ist es jetzt vielleicht auch nicht zwingend nur 3D gedruckt, sondern auch vielleicht vielleicht mit einer anderen Technologie, wo dann großen Effekt erzeugt hat aus der Vergangenheit bei Ihnen, wo Sie beraten.

00:14:59: Speaker 2Ah, klassisch, was ich wahrscheinlich jedem, der man selber schon mal irgendwo im Haushaltskontext vielleicht irgendwas handwerklich reparieren wollte oder so, manchmal, stößt man an Grenzen mit den zwei Händen und den zehn Fingern. Und das passiert natürlich im industriellen Kontext halt auch manchmal. Dann muss man im Extremfall den Kollegen rufen, so nach dem Motto: “Komm mal, halten wir das mal geschwind.” Dann reißt man den aus irgendwas weg.

00:15:31: Speaker 2Und wenn man das halt immer wieder machen muss, wieder Stichwort rüsten, weil ich halt, immer wieder Serienteile mache, aber halt unterschiedliche Serienteile, unterschiedliche Rüstsätze habe, macht es halt auch wieder Sinn, sich dann auch produktspezifische Rüstsätze zum Beispiel zu bauen. Selbst auf die Gefahr hin, dass ich vielleicht das ein oder andere Teil dann zwei, also von dem Rüstzubehör, von den Betriebsmitteln, dass ich das dann doppelt habe.

00:16:04: Speaker 2Aber ich weiß halt dann ganz genau, ich hab dann so einen Rüstmittelsatz, ich weiß halt ganz genau, für das Serienprodukt brauch ich diesen Satz. Und ich muss da nicht drüber nachdenken und mir nicht Dinge zusammensuchen, die ja dann typischerweise nicht bloß von einer Person gebraucht werden, die halt die eine Maschine rüstet, sondern vielleicht noch von dem anderen. Und das fängt manchmal schon bei ganz krassen Sachen an, nämlich wenn der Kugelschreiber weg ist.

00:16:30: Speaker 1Ja, das kenn ich, dann sucht man. Und wenn der dann nicht funktioniert, regt man sich auf und dann dann verbreitet man das Problem, dass man den Kugelschreiber vom Kollegen nimmt und dann hat der das Problem, wenn man es so sieht. Aber das ist ganz spannend, was sie gerade sagen, dass es produktbezogen ist, dass man vor allem seine seine Prozesse genau anguckt und sagt jetzt genau für diesen Fall liegt eigentlich schon fast alles bereit zum Rüsten. Und das wäre für mich jetzt, weil ich bin dort auch sehr, ich sag mal, produktiv am Arbeiten.

00:17:02: Speaker 1da würd ich mich schon drauf freuen, weil das Rüsten dann nicht so schwerfällig ist, sondern man genau weiß, wie sind die Handgriffe, es ist alles vorbereitet, es gibt bestimmte Vorrichtungen dafür, man tut sich viel leichter und dann aus so 90 Minuten, vielleicht 10 Minuten zu machen oder sowas, das ist dann auch echt ein großer Sprung, den man wagen kann.

00:17:20: Speaker 2Und und eben, aber es ist halt, wie ich es eingangs gesagt hab, es ist aber halt nur indirekt. Natürlich macht es ein Unterschied, ob ich, von einer Stunde auf 10 Minuten runterkommen, so irgendwas in der Richtung. Aber viel wichtiger ist, dass ich halt jetzt in der Lage bin, kleinere Lose zu fahren.

00:17:40: Speaker 1Ich bin viel flexibler und flinker, genau.

00:17:44: Speaker 2Ich muss halt nicht die 100 Stück fertig machen, sondern weil ich meine Rüstzeit um den Faktor 10 reduziert habe, kann ich im Grunde im gleichen Maße, das wär so eine Daumenregel, kann ich im gleichen Maße halt meine Losgröße reduzieren. Und wenn jetzt das Teil, was ich da baue, vielleicht aufgrund von physikalischen Gründen, ich da einfach an technisch-physikalische Grenzen stoße, spanabhebende Bearbeitung, ist halt nackte Physik, da kann ich nicht beliebig Überschallgeschwindigkeit, übertrieben ausgedrückt, Lichtgeschwindigkeit.

00:18:24: Speaker 2toll, wenn es funktioniert, aber nicht beim Fräsen. Das heißt, da stoße ich bei der reinen Bearbeitungszeit viel schneller an Grenzen, wie wenn ich sage, es ist immer noch genauso kommerziell machbar, weil ich meine Rüstzeit auf ein Zehntel reduziert habe, kann ich im Grunde in gleichem Maße meine Losgröße auf ein Zehntel reduzieren. Und jetzt habe ich die Durchlaufzeit auf ein Zehntel reduziert.

00:18:52: Speaker 1Das, Das ist vor allem ganz spannend. So sehe ich das oder so nehme ich das bei uns vor allem aktuell in der Wirtschaft war, dass die Losgrößen abnehmen, dass es immer kleinere Stückzahlen gibt. Man muss viel schneller agieren und da geht es gar nicht darum, jetzt das einfach so hinzunehmen, sondern sich intern besser aufzustellen und ich sag mal, an seinen eigenen Prozessen zu arbeiten und dort viel flinker zu werden, was wieder ein absoluter Wettbewerbsvorteil ist, weil, an der Rüstzeit kann man noch rütteln, wie Sie gesagt haben, aber an der an der Geschwindigkeit der Maschine, da macht es jetzt keinen Sinn, da noch eine Sekunde rauszuholen, sondern es macht viel mehr Sinn, da mehrere Minuten am Anfang oder am Ende rauszuholen in der Hinsicht.

00:19:34: Speaker 1Ja, was sind denn so typische Stolperfallen aus Ihrer Sicht, wenn Unternehmen Smeet einführen wollen, die jetzt sagen, OK, die haben den Podcast jetzt gehört und gesagt, da gibt es jetzt was, das müssen wir jetzt unbedingt ausprobieren, Was ist denn aus Ihrer Sicht der Punkt, wo die sich am Anfang gleich mal schwer tun.

00:19:51: Speaker 2Ob es, ob es mit Anfang was zu tun hat, bin ich mir da nicht mal sicher. Aber ich hatte es vorhin schon erwähnt, wenn man Schichtbetrieb hat, dann, Ist es jetzt an der falschen Stelle gespart, meiner Ansicht nach, wenn man sagt, ja, dann mache ich das halt in der Tagschicht und die von der Nachtschicht machen das halt genauso. Müssen das dann genauso machen. Also a. durch dieses “ich bin nicht dran beteiligt” entsteht eine Form von Widerstand. b.

00:20:22: Speaker 2verschenke ich dadurch möglicherweise Potenzial, das war das mit den vier Augen statt zwei Augen und so weiter. Mal davon abgesehen, dass, wie soll man es ausdrücken, man kann, natürlich können es zu viele Menschen sein, die den Rüstvorgang optimieren. Aber im Zweifelsfall schadet es nicht, wenn ich lieber einen mehr habe und dann so die klassischen Aufgabenstellungen, Spaghettikram zu zeichnen, da bin ich halt beschäftigt. Ich kann eine Zeitaufnahme und Spaghetti gleichzeitig machen, das funktioniert nicht.

00:20:57: Speaker 2allein auch wieder dadurch, dass halt einer steht hier und einer steht auf der anderen Seite, der sieht ganz andere Dinge. Und selbst wenn ich dann jemanden dabei habe von einer anderen Schicht, der jetzt mit den klassischen Aufgaben nicht beteiligt ist, also die Schritte einfach runterschreiben, die Zeiten aufnehmen, die Bewegungen aufnehmen, nur beobachten, nur in Anführungszeichen, was passiert denn da?

00:21:28: Speaker 2Da wieder dieser Punkt, vier Augen sehen halt mehr wie zwei. Und da entwickle ich ja möglicherweise Verbesserungen, die ja nicht bloß einmalig sind, die ja unter Umständen auf Jahre hinaus wirken. Ja. Also das sind so auf einer, ja, aber schon fast nicht technischen Ebene, Versäumnisse, möcht ich es mal nennen.

00:21:55: Speaker 1Dann ist es eher diesen, diesen Prozess besonders gut zu machen, den den Blickwinkel richtig zu haben von von mehreren Seiten, sich dafür aber auch Zeit zu lassen auf der anderen Seite, um diesen Weg richtig zu gehen. Ja, ja, das haben Sie vorhin gesagt, das ist, das ist ’n Vorteil über Jahre hinweg, das ist so meine nächste Frage, wo würden Sie denn, 3 D Druck in diesen ganzen Verbesserungsprozessen jetzt einordnen, eher so als als Quick Win, dass man schnell mal ein bisschen was gewinnt oder so als strategisches Zeit, so strategisches Werkzeug, wenn man jetzt nicht nur das das Thema SmED betrachtet, sondern auch allgemeinem Lean Management und in der Verbesserung.

00:22:36: Speaker 2Ja, ich glaub, es ist beides. Andererseits bin ich halt durch dieses, ich hab vorhin den Begriff Ökosystem verwendet, keine Ahnung, ob das passend ist. Aber dadurch, dass ich hier eventuell einerseits vielleicht einen Konstruktionsdienstleister und einen Herstellungsdienstleister habe, der natürlich dann inhouse agiert, so dem sage ich halt, oder ich zeige ihm vielleicht auch nur. Guck mal, ich habe hier das Problem, vielleicht lade ich sogar mal jemand ein, mitzugucken, weil er auch wieder mit anderen Augen auf ein Thema guckt.

00:23:11: Speaker 2Das und das Problem haben wir da, da bräuchten wir, im Konjunktiv, da bräuchte man irgendwas, kann man denn sowas machen? Und dann aber eben, wenn ich mich darauf eingelassen habe, egal ob ich jetzt dann wirklich selber einen kaufe oder oder diesen diesen 3D-Druck als Dienstleistung in Anspruch nehme, aber eben immer wieder. Und wenn es auch nur eine Frage in der Checkliste ist, habt ihr an das Thema auch gedacht?

00:23:41: Speaker 2Habt ihr auch daran gedacht, mal über, den bestehenden Tellerrand rauszuschauen.

00:23:48: Speaker 1Das machen die Dienstleister sehr gerne, also dass die in Unternehmen reingehen, sich das angucken und die haben da einen ganz großen Willen, manchmal vielleicht auch zu sehr dann irgendwas zu drucken, was man vielleicht auch aus anderen Fertigungstechnologien noch machen kann, wenn man es so sieht. Aber dieser, wie Sie gerade gesagt haben, von extern jemand einladen, dass der sich das mal anguckt und auch wirklich sagt, da müsst man doch mal Erlösung machen, so in der Richtung, ne, das, das können wir ja nicht akzeptieren, das ist echt ’n guter, ’n guter Schritt, der sowohl ’n Quick-Win als auch ’n strategisches Werkzeug sein kann.

00:24:22: Speaker 2Oder halt einfach eben hinterfragen und und das muss ja dann nicht einmal, auch das kann ein Gedanke sein, muss ja nicht einmal jemand von ganz außen sein. Der erste Schritt ist halt das Schichtübergreifende, ja, das zweite, der zweite Schritt ist halt dann jemand, der vielleicht mit dem Thema gar nichts zu tun hat, wer ist in der Lage, dieses dumme Fragen zu stellen, die man ja selber vielleicht gar nicht als dumm einschätzt, sonst schwört man es ja möglicherweise an den Stellen.

00:24:52: Speaker 2Aber dadurch, dass man nicht beteiligt ist, wirkt es dann vermeintlich wie ’ne dumme Frage, wo dann die Antwort ist: Ja, gute Frage, warum eigentlich.

00:25:02: Speaker 1Ja, absolut, absolut. Glauben Sie denn, dass dass Technologien wie 3D-Druck so langfristig, auf eine klassische Sicht, auf Rüstzeiten und Flexibilität, dass die das Ganze verändern werden.

00:25:18: Speaker 2Ich glaube schon, weil da wo der 3D-Druck in meiner Wahrnehmung ursprünglich herkommt aus diesem Einzelstück Prototypenbau plus eben dann Dinge zu machen, die ich halt mit klassisch spanabhebenden, egal ob es Fräsen oder Bohren ist, die halt auch wieder physikalisch gar nicht möglich sind, bietet das halt Chancen, die ich vorher schlichtweg nicht hatte. Und der größte Fehler, den man jetzt machen kann, ist halt, dass man sowas nicht nutzt.

00:25:51: Speaker 1Wenn man schon so viel geschenkt bekommt, ne.

00:25:54: Speaker 2Ja, genau. Und ob man jetzt gleich so ein großes Wort wie strategisch nutzen muss, weiß ich nicht. Muss man vielleicht sogar fast aufpassen, dass man nicht dadurch, auf eine subtile Art und Weise vielleicht wieder eine Hürde aufbaut. So im Sinne von: “Ah, das wäre ja schon nett, aber so eine Maschine ist dann wieder viel zu teuer.” Dann nutze ich halt weiter den Dienstleister.

00:26:20: Speaker 1Ja, es soll noch interessant bleiben und nicht zu weit weg. Und es sollte nicht schwerfällig auf einmal auf den Schultern, auf den Schultern der Leute sozusagen sein, dass man denkt, jetzt muss man da ganz große Schritte machen. Ja, jetzt aus Ihrer Erfahrung heraus, wenn Sie jetzt einen Produktionsleiter, so nennen wir ihn jetzt einfach mal, der sowohl das Thema Lean einführen will, als auch das Thema 3D-Druck einsetzen möchte. und und er hat am Anfang da jetzt noch nicht viel gemacht oder noch nicht viel gesehen im Unternehmen.

00:26:50: Speaker 1Ich denk da so an typische etwas kleinere mittelständische Unternehmen. Was sind denn so 3 Tipps, die Sie denen mitgeben könnten? Welche wären das.

00:27:00: Speaker 2A. 1 im Grunde, das hat jetzt vielleicht mit 2 D. Druck direkt gar nichts zu tun, einfach mal gucken, was ’n was andere machen. Vielleicht in ’ne natürlich wird es schwierig, jetzt ’n direkten Mitbewerber sich anzuschauen, aber in ’nem Vergleich, vielleicht Arbeitsschritt, vergleichbare Tätigkeit. Ich komme halt wieder auf das Bohren und Fräsen zurück, auf die spanabhebende Bewegung, wo ich halt klassischerweise eben Rüstvorgänge habe. Egal wie hoch automatisiert jetzt vielleicht dieses Dreh-/Fräszentrum ist, aber um das Thema Rüsten komme ich halt im Grunde nicht drum herum.

00:27:39: Speaker 2Da zu gucken, was machen andere. Aber Aber eben auch, da wiederhole ich mich vielleicht zu dem, was ich vorhin gesagt habe, eben zu gucken, dass ich das nicht nur in einer Schicht, weil jetzt vielleicht der Dienstleister sagt, ja ich arbeite, ich übertreibe es vielleicht ein bisschen, ich arbeite halt nur, weil es hell ist. Komm halt auch mal nachts um zehn und sprich mit den Menschen, die da unterwegs sind, beziehungsweise vielleicht zu einem Schichtwechsel,

00:28:13: Speaker 2halt dann zu einer etwas unüblichen Tageszeit liegt. Das ist ja dann so der Zeitraum, wo man dann gerne mal einen Rüstworkshop macht, dass man sagt, man macht es am Ende von der Tagschicht im Übergang oder von der Frühschicht zur Spätschicht oder kriegt man es irgendwie noch hin, wenn man Dreischichtbetrieb hat, dass man die Nachtschicht auch noch dazu nimmt. Also das sind Dinge, jetzt habe ich nicht ganz mitgezählt, mindestens einer war es.

00:28:40: Speaker 1Ja, also da waren jetzt mehrere Tipps dabei. Ich finde es schon ganz gut. Also allein schon der Gedanke, nicht nur zu sagen, man guckt, wann es hell ist, sondern auch, wenn es dunkel ist und wer dort arbeitet, sozusagen. Weil es kann manchmal sein, dass da die Handgriffe ganz anders sind und ich kann mir gut vorstellen, dass es einige Dienstleister gibt, die auch sagen, ich ich würd gern mal mal nachts durch die Firma laufen und gucken, was dort noch mal genau passiert in der Hinsicht und das dann übergreifend auch kommuniziert. und dann natürlich auch offen dafür ist, wie Sie es gerade auch gesagt haben, dass man mal schaut, was machen die anderen, weil ein Medizintechnikunternehmen hat beim Produzieren von Teilen genauso das gleiche Problem wie ein Maschinenbauer in der Hinsicht.

00:29:22: Speaker 1Jetzt habe ich am Ende vom Podcast immer so zwei persönliche Fragen. Eine davon ist, beenden Sie doch mal bitte folgenden Satz: 3D-Druck ist für mich.

00:29:32: Speaker 2Eine Sache, die mich persönlich auch reizt, ich würde mich als, Ingenieur mit, das mit den Haaren stimmt nicht, aber mit der Haut noch bezeichnen. Und das übt auf mich einen technischen Reiz aus. Also ich möchte nicht mein Haus darauf wetten, dass nicht bei mir selber irgendwann mal so ein kleines Ding steht, um mal irgendwas auszuprobieren.

00:29:56: Speaker 1Und was war so Ihr tollstes Bauteil, was Sie vielleicht gesehen, oder vielleicht auch mal in der Hand hatten bisher.

00:30:02: Speaker 2Ja, in der Hand nicht wirklich, aber das, was ich mal gesehen hatte, hat mich sehr beeindruckt. Das war eine Vortragsaufzeichnung, dann auf YouTube, während der da eine Viertelstunde, 20 Minuten, so lang war es nicht, gesprochen hat über 3D-Druck, eine spezielle Art von 3D-Druck, hat da neben ihm auf der Bühne ein 3D-Drucker, Drucker ist der falsche Begriff hier, weil es war eine Flüssigkeit, die halt durch Licht, durch UV-Licht ausgehärtet wurde.

00:30:38: Speaker 2Und je nachdem, wo das Licht halt aufgetroffen ist auf die Flüssigkeitsoberfläche, ist es halt hart geworden und da wo das Licht aus war, ist es halt nicht hart geworden. Und während der sprach, kam da so ein Stempel langsam aus der Suppe raus und da entstand halt plötzlich ein Teil drunter und wo er fertig war, läuft er zu dem Gerät rüber, nimmt das Ding raus und zeigt es halt. Und das fand ich eben, weil es halt ’ne andere Form von 3D-Druck war, die kannte ich vorher gar nicht, fand ich das sehr bemerkenswert.

00:31:09: Speaker 1Ja, das war so, wenn man, wenn man das noch nicht so gesehen hat, dann ist das wie bei Terminator, wie aus einer Flüssigkeit auf einmal ’n Bauteil wird in der Hinsicht.

00:31:18: Speaker 2Das ist super interessant.

00:31:20: Speaker 1Dann sind wir schon am Ende der Podcastfolge angelangt. Also, wenn jetzt einer der Hörerinnen und Hörer, jetzt mehr Infos haben möchte oder hat vielleicht ’n konkretes Problem und sagt so, das ganze Thema Lean Management, jeder redet davon, ich bräucht mal jemand, der da mal ’n Blick drauf wirft, dann werden wir auf jeden Fall all die Informationen auch zu Ihnen in unseren in den Shownotes packen, damit man sich noch mal mehr informieren kann oder Kontakt zu Ihnen aufnehmen kann. Sie sind ja auch auf LinkedIn ganz aktiv, hab ich gesehen in dem Fall. Ich hab mich jetzt riesig gefreut für das tolle Interview mit Ihnen und für alle,

00:31:55: Speaker 1die jetzt mitgehört haben, bis zur nächsten Podcast-Folge.

Über diesen Podcast

Der 3D-Druck Podcast von Johannes Lutz ist der Technologie Podcast, wenn es um alle Aspekte in Sachen 3D-Druck, Additive Fertigung und Konstruktion geht.

Egal ob Sie neu mit dem Thema 3D-Druck und additive Fertigung beginnen, bereits erfahrener Anwender oder durchaus 3D-Druck-Dienstleister, Hersteller oder Zubehörlieferant sind.

Denn es geht nicht nur darum, einen 3D-Drucker zu besitzen, sondern diesen für das Unternehmen auch gewinnbringend einzusetzen

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von und mit Johannes Lutz

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